Der Weg zur MUAG:
Wir, die Blaskapelle St.
Ägidius Schmidmühlen möchten Ihnen
mit diesem Artikel unseren Weg zu
einer Musik-Arbeitsgemeinschaft
beschreiben. Wir wollen Ihnen
zeigen, dass jeder Verein es
schaffen kann, eine MUAG bzw.
Bläserklasse mit Erfolg zu gründen.
Warum wollten wir als Verein eine
solche Bläserklasse bei uns im Ort
einführen? Der Grund für diese
Entscheidung lag darin, dass wir als
Verein in einer Gemeinde mit ca.
2000 Einwohnern unsere Jugendarbeit
verstärken wollten, um in der
Zukunft auf eine solide und
lebendige Basis bauen zu können. Als
wir uns dann im Januar 2002 zu einen
Schritt in Richtung "verstärkte
Jugendarbeit" entschieden haben,
begann die Zeit der Vorbereitung.
Wir überlegten wie wir Kinder an die
Instrumente heranführen können und
diese dabei viel Freude haben. Als
wir dann darüber nachdachten ging
uns der Gedanke einer Zusammenarbeit
mit der Schule nicht mehr aus dem
Sinn. Denn in der Schule sind die
Kinder, die wir als Verein
ansprechen wollen.
Unterrichtskonzept und ein
rechtlicher Rahmen. Wir entschieden
uns für das Lehrsystem Essential
Elements. Dieses System besteht aus
einem Arbeits- bzw. Lehrheft und
einer Mitspiel-CD für das Üben
zuhause. Der Vorteil von Essential
Elements sahen wir darin, dass alle
Kinder von der ersten Stunde an
miteinander Spielen konnten.
Nun galt es als nächstes den
Unterrichtsablauf zu planen. Nach
langen Telefonaten mit dem
Bayerischen Staatsministerium für
Unterricht und Kultus, dem Rektor
der Volksschule und dem
Schulamtsdirektor des Staatlichen
Schulamtes in Amberg hatten wir eine
Lösung. Es war die erste MUAG
(Musik-Arbeitsgemeinschaft) Bayerns
geboren. Der Schulamtsdirektor
erstellte einen Vertrag der die
Rechten und Pflichten der Schule und
des Vereins regelt z. B. ein
wichtiger Punkt ist der
Unfallversicherungsschutz der nun
für alle Schüler und alle Lehrer bei
diesem Projekt besteht.
Den Unterricht legten wir auf den
Nachmittag der sich für jeden
Schüler in zwei Teile aufgliedert.
Der erste Teil ist der
Satzunterricht, bei uns von 14:00
Uhr bis 14:45 Uhr der von den
Instrumentallehrern des Vereins
erteilt wird. Der zweite Teil ist
die Gesamtprobe von 14:45 Uhr bis
15:30 Uhr bei der alle Kinder von
Anfang an miteinander
MUSIZIEREN. Dieser Unterricht wird
von dem Dirigenten der MUAG
(ebenfalls ein Lehrer des Vereins)
erteilt, wobei im ersten halben Jahr
zur Unterstützung des Dirigenten die
Instrumentallehrer in der
Gesamtprobe mit anwesend waren um
Instrumentalfragen vor Ort zu klären
und einen reibungslosen,
qualitativen und zielorientierten
Unterricht anbieten zu können. Nun
hatten wir ein fertiges Konzept,
dass wir nun den Eltern und den
Kindern der 3. bis 5. Klasse bei
einem Elternabend vorstellen
konnten. Hier durften die Kinder
auch die Instrumente mit großer
Freude ausprobieren. Aufgrund des
Elternabends (Infoabend) meldeten
sich 23 Kinder die sich für ein
Instrument begeistert haben.
Bei einem solchen Projekt das 2
Jahre läuft entstehen natürlich auch
Kosten, die sich in
Ausbildungskosten und in
Instrumentenkosten aufteilen. Die
Instrumente wurden von den Eltern
gekauft bzw. gemietet. Da wir als
Verein darauf bedacht waren, dass
den Eltern bei diesem Projekt
möglichst niedrige Kosten entstehen,
handelten wir mit dem
Musikfachgeschäft Sonderkonditionen
aus (günstige Verkaufspreise,
Anrechnung der Mietraten usw.).
Die Ausbildungskosten werden vom
Verein getragen und teilweise durch
Ausbildungsgebühren finanziert den
Rest trägt der Verein. Trotz der
nicht unerheblichen Kosten ist für
uns dieses Konzept kostengünstiger
als die "normale Einzelausbildung".
Zu dem sehen wir die Ausbildung als
die wichtigste Investition des
Vereins für an.
Nun ist Mai und es sind einige
Monate seit dem Start vergangen und
die ersten Fortschritte sind nun für
alle sichtbar. Bei unserem trad.
Osterkonzert durften sie z.B. einige
Konzertstücke mit viel Freude
aufführen und wurden dafür mit viel
Applaus belohnt. Auch waren sie vor
einigen Wochen auf ihrer ersten
Konzertreise zu einem Schulfest von
einer anderen Schule eingeladen
worden. Grundsätzlich können wir
beobachten, dass die musikalische
Entwicklung sehr schnell voran
schreitet, schneller als bei dem
herkömmlichen Einzelunterricht.
Auch hat sich im Laufe dieser Monate
ein sehr soziales Team gebildet, das
sich mit einem gemeinsamen Ziel auf
den Weg macht, um dieses Ziel
miteinander zu erreichen. Das
Ziel ist das gemeinsame
Musizieren im Orchester.
Wir sind sehr stolz auf unsre
"KLEINEN" und werden auf jedem Fall
2004 die nächste MUAG bei uns in
Schmidmühlen starten.
Mit musikalischen Grüßen
Roland Preußl
Jugendleiter und Organisator des
Projekts
Die vier Säulen von MUAG:

Die Erasmus-Grasser-Volksschule
Schmidmühlen
Die
Erasmus-Grasser-Volksschule
Schmidmühlen als Erfahrungsträger im
Bezug auf die Wissensvermittlung ist
ein starker Partner der Blaskapelle
St. Ägidius, so dass gemeinsam
dieses Projekt auf die Beine
gestellt werden konnte.
Aufgabe: Die
Erasmus-Grasser-Volksschule
Schmidmühlen stellt z.B. die
Probenräume zur Verfügung, übernimmt
die Mittagsbetreuung und die
Sicherstellung des
Schulbustransportes der Kinder.
Die Unterrichtsliteratur:
Als Unterrichtsliteratur wird
bei der MUAG das System Essential
Elements (De Haske) verwendet.
Dieses System setzt darauf, dass
alle Schüler von Anfang an
miteinander musizieren können. Jeder
Schüler hat für sein Instrument ein
Lehr- und Übungsbuch, in dem Theorie
und Praxis vermittelt werden.
Zusätzlich zu dem Buch hat jeder
Schüler eine Mitspiel CD, so dass er
auch daheim beim Üben nicht auf das
Orchester verzichten muss.

Der zeitliche Ablauf:
Der Wochentag im Stundenplan der
MUAG ist der Dienstag. Nachmittags
von 14:00 bis 14:45 Uhr unterrichten
die Musiklehrer satzweise (nach
Instrumentengruppe) die einzelnen
Kinder.
Von 14:45 bis 15:30 Uhr findet die
Gesamtprobe der MUAG statt. Unter
der Leitung von Hr. Lobenhofer
werden die in den Satzstunden
erworbenen Kenntnisse bei dem
Orchesterspiel angewandt. Das erste
halbe Jahr werden die Kinder durch
ihre Musiklehrer unterstützt, da
gerade in der Anfangszeit viel
Betreuung notwendig ist.
Von 15:30 bis 16.15 Uhr findet der
Satzunterricht für die Schüler aus
den weiterführenden Schulen statt,
da diese um 14.00 Uhr noch nicht in
Schmidmühlen sind.
Die Projektdauer
Das Projekt wurde auf die Dauer von
2 Jahren ausgelegt. In diesen 2
Jahren werden den Kindern all die
musikalischen Kenntnisse vermittelt,
die sie benötigen, um in einem
großen Orchester musizieren zu
können.
Außerdem besitzen die Kinder nach
diesem Projekt eine umfassende
musikalische Grundbildung. Dieses
Wissen können die Kinder in ihrem
weiteren schulischen Weg anwenden
und erweitern.
Die Eltern der Kinder
Die Eltern stellen die Weichen für die Bildung ihrer Kinder.
Durch einen Elternabend im Vorfeld des Projekts wurden sie über die Chancen
einer zusätzlichen musischen Bildung informiert.
Aufgabe: Die Eltern unterstützen durch ihr Engagement das Vorankommen der MUAG,
wie z.B. durch die tägliche Probenarbeit in den Kinderzimmern. Außerdem werden
die Instrumente durch die einzelnen Eltern bezahlt.

Die Finanzierung
Da die Blaskapelle St. Ägidius die Kosten für die Lehrmittel (Essential
Elements) zu 100% und die Ausbildungskosten zum Großteil übernimmt, ist eine
solide Finanzierung nötig. Pro Unterrichtstag entstehen Ausbildungskosten von
ca. 280 € ! Eine solche Finanzierung wird durch die Einnahmen aus der
Unterhaltungsmusik der Blaskapelle und durch Spenden sichergestellt.
Die musikalische Früherziehung
Auch die musikalische Früherziehung ist ein Baustein zur musikalischen Bildung,
auf den die Blaskapelle St. Ägidius setzt.
Im Kindergarten und in der Grundschule bietet die Blaskapelle unter der Leitung
von Hr. Roidl einen Blockflötenunterricht an.
Durch diese musikalische Früherziehung werden die Kinder optimal auf den
Schulunterricht und die MUAG vorbereitet.
Zur Zeit befinden sich ca. 35 Kinder in Ausbildung, davon 14 Kinder in den
Klassen 1-4.
Die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen
Die Blaskapelle als Initiator des Projektes:
Im Januar 2002 wurde der Gedanke geboren ein solches Projekt in Schmidmühlen zu
starten. Nach langer Arbeit war es dann im September 2002 endlich so weit. Die
MUAG konnte beginnen.
Aufgabe:Die Blaskapelle St. Ägidius Schmidmühlen ist für die Vermittlung der
musikalischen Lehrinhalte, die praktische Umsetzung und die Organisation
zuständig.
Die Kinder
Von den Klassen 3-5 nehmen 23 Kinder an der MUAG teil:
13 Schüler der Erasmus-Grasser-Volksschule Schmidmühlen und
10 Schüler von weiterführenden Schulen.
Hinzu kommen noch 14 Kinder, die sich in der Musikalischen Früherziehung
befinden (Blockflötenunterricht).
Gesamt: 37 Kinder, die eine zusätzliche musikalische Ausbildung in der Schule
erfahren
Aufgabe: Aktives Lernen durch Theorie und Praxis
Die Klassengemeinschaft
In der MUAG wird durch das
gemeinsame Orchesterspiel ein sehr positives und erstaunlich aggressionsfreies
Lernklima geschaffen.
Teamfähigkeit wird als wichtige Schlüsselqualifikation spielerisch erworben;
einander zuhören, Rücksicht nehmen und sich gegenseitig unterstützen sind
bleibende und prägende Erfahrungen. Letztlich ist dies auch Prävention von
Gewalt in der Schule und eine Immunisierung gegen Sinnleere. Dieser
Musikunterricht erfüllt damit einen drängenden gesellschaftlichen Auftrag, ist
eine Methode, die auf motivierende Weise jedem Schüler musikalische und damit
auch persönliche Erfolgserlebnisse bietet.
Musik macht klug?!
Seriöse Untersuchungen belegen immer mehr, dass Kinder, die ein Musikinstrument
systematisch erlernen, auch in anderen schulischen Bereichen davon profitieren.
So steigt die Konzentrationsfähigkeit; Ausdauer und Merkfähigkeit werden
stärker.
Ergebnis: bessere schulische Leistungen insgesamt. Dies ist ein Ergebnis der
MUAG, da für die Kinder gemeinsames, zielorientiertes Arbeiten
selbstverständlich ist.
Quelle: Studie zum Einfluss von erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine
und individuelle Entwicklung von Kindern Musikpädagoge Prof. Hans Günther
Bastian // Bundesministerium für Bildung und Forschung (Berlin) In den Jahren
1992 bis 1998 wurden an sieben Berliner Grundschulen mit musikbetonten Zügen
(das heißt ein zweistündiger Musikunterricht pro Woche über eine Mio. Daten
aufgenommen und ausgewertet.
Die Kosten der Ausbildung
Die anderen Kosten sind die Ausbildungsgebühren, welche bei einer Mitgliedschaft
in der Blaskapelle vom Verein übernommen werden. Eine Mitgliedschaft ist nicht
notwendig, für die Eltern aber günstiger, da die Blaskapelle den Großteil der
Ausbildungskosten trägt. Für Nichtmitglieder werden die Ausbildungsgebühren je
nach Anzahl der Schüler direkt auf die Eltern umgelegt.
Die Kosten des Instruments
Dies sind zum einen die Kosten für die Instrumente. Die Instrumente wurden von
den Eltern bezahlt und sind deren Eigentum. Durch die große Anzahl der
Instrumente konnte mit der Firma Musik-Raab ein Rahmen mit Sonderkonditionen
ausgehandelt werden. So haben z.B. die Eltern die Möglichkeit ein Instrument zu
mieten. Die Mietraten werden bei einem Kauf voll angerechnet.
Auch wurden die Nettopreise für die Instrumente fest von der Blaskapelle mit der
Firma Musik-Raab ausgehandelt, so dass ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis
erzielt werden konnte.
Die Vermittlung durch die Lehrer
Die Blaskapelle St. Ägidius stellt die Musiklehrer für die MUAG. Hr. Josef
Lobenhofer ist der musikalische Leiter der MUAG. Außerdem bildet er auch die
Saxophonschüler aus.
Für den Schlagzeugunterricht ist Hr. Vasilikov, für den Klarinettenunterricht
Fr. Lautenschlager und Fr. Gleixner, für die Blechblasinstrumente Hr. Roidl und
für den Querflötenunterricht Fr. Wurstbauer zuständig.
Durch diese gut qualifizierten Lehrer sichern wir die hohe Qualität der
musikalischen Wissensvermittlung bei diesem Projekt.